Die Märchen rund um Wehrden

 

 

   Rund um Wehrden gibt es 5 verschiedene Märchen, Sagen oder Geschichten.

 

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Das Hünenspiel zwischen Brunsberg und Wildberg

Die weiße Frau

Das erste Papiergeld

Der alte Fährmann

Der Fundator

Der Schüdderump

 

 

 

Das Hünenspiel zwischen Brunsberg und Wildberg

 

In grauer Vorzeit sollen sich auf dem Brunsberg und auf dem Wildberge

bei Godelheim gewaltige Wallburgen erhoben haben, in denen das Geschlecht

der Hünen zu Hause war. Die hatten so große Leibeskraft, daß sie sich mühelos

von Burg zu Burg unterhalten und den Morgengruß zurufen konnten.

Auch spielten sie gern hinüber- herüber mit Kugeln und Bällen. Dazu hatten sie

eine Luftpost erfunden. Ihre Briefe wickelten sie in ein Wunderknäuel und warfen

das Garn hin und wider. Sie trieben so ihre Kurzweil damit, denn eine vernünftige

Arbeit war gegen ihre Gewohnheit. Aber an einem Ostermorgen mißglückte

der Spaß. Das Knäuel verfehlte sein Ziel und sank in dem Holzwäldchen,

die Lau geheißen, zu Boden. Es muß schon ein gewichtiges Knäuel gewesen sein,

denn wo es sich ein- bohrte, blieb ein Loch im Boden.

Das Grundwasser stieg aus der Tiefe und formte einen schönen Weiher.

An dieser Stelle wuchsen seither weiße Lilien auf, und alle Jahre am Ostermontag

erscheint dort eine Weiße Frau und wäscht ihre Wäsche im klaren Waldsee.

Lange noch haben die großen Tölpel über das Weserland geherrscht.

Aber dann war es mit einemmal aus mit ihnen. Ein kriegsgewaltiges Volk brach herein.

 Im Wesertal trafen die alten Herren und die Eroberer aufeinander. O je, wie ungestüm

prallten die beiden Heere zusammen, wie hackten sie sich mit Beilen und Schwertern

gegenseitig das Blut aus den Muskelbergen. Das strömte dem Flusse zu und färbte

die grünen Weserwellen ganz rot. Mit ihren schrecklichen Waffen, ihrer großen

Kriegskunst zerschlugen die Fremden das ganze Riesengeschlecht, rotteten es aus

bis auf die Brut und zerstörten die ungefügen Burgen. Seit jenen Tagen nahmen

die Ankömmlinge das ganze Weserland in Besitz, schalteten und walteten dort

als Herren, und ihre Urenkel sollen wohl heute noch daselbst wohnen.

Nur ein einziges Riesenfräulein schlürt da zuweilen noch an dem Wiltberge herum.
Anfang

 

Die weiße Frau

 

Die zeigt sich durchaus als Menschenfreundin, und wer ihr begegnet, dem bringt sie Glück.

So ist sie einmal zwei jungen Burschen aus Wehrden erschienen.

Sie hießen Peter und Knipping und fahndeten dort in dem Waldstück nach Vogelnestern.

 Doch während der Knipping von einem Busche zum anderen pirschte und

seinen Korb schon halb voll hatte, legte sich der Peter gemächlich auf die faule Haut,

hoffend auf das schöne Leitwort: Der Herr gibt's den Seinen im Schlafe. Da zupfte ihn

einer am Ohrläppchen. Er meinte, es wäre der Knipping, sah um sich, und keiner war da.

Aber wieder zwickte ihn einer, und wieder war niemand zu sehen. Und noch ein drittes Mal

wurde er so genarrt. Jetzt erhob er sich, einen gemütlicheren Ruheplatz zu suchen, und dort

in aller Einfalt weiterzuschnarchen. Siehe, da sah er eine Weiße Jungfrau, die ging vor ihm

her des gleichen Weges, knackte Nüsse, streute die Kerne aus und steckte die Schalen in

ihre Handtasche. Das war etwas für unseren Faulen. Denn hier konnte er Nüsse auflesen und

ohne die Mühsal des Pflückens und Knackens genießen. Nur daß sein Arm nicht noch länger

war, verleidete ihm etwas das schöne Spiel. Und nun verschwand auch die Weiße Jungfrau,

als habe der Boden sie eingeschluckt. Als Peter den Freund dann wiederfand, erzählte er ihm

sein Erlebnis. Da holte der Knipping zwei Spaten, und nun gruben sie beide an jener Stelle nach,

wo das geheimnisvolle Wesen verschwunden war. Sogar der Peter vergoß ein paar Schweißtropfen,

sosehr ereiferte er sich an dem Abenteuer. Bald klang es hohl herauf, dann stießen sie auf etwas

Hartes, und nun lag vor ihren Blicken gemünztes Geld, geprägtes Gold. Sie grapschten es mit

den Händen aus der Tiefe und stopften die Taschen voll davon und konnten doch noch nicht

alles fassen. So verstauten sie den Rest unter Reisern und Zweigen an seinem Ort, denn

die Sonne war schon lange hinter die Berge gesunken. Wie sie jedoch am anderen Morgen

den Schatz aus der Tiefe bergen wollten, da war das Nest leer und vom ganzen Überfluß

keine Spur mehr zu finden. Der faule Peter aber hatte nun doch genug für sein ganzes Leben,

ließ sich ein schönes Haus zusammenzimmern mit schmuckem Giebel und hellen Kammern,

darin konnte er nun schlummern und schlafen nach Herzenslust, und wenn er wollte, noch viel,

viel mehr. Denn der Herr gibt's den Seinen im Schlafe.
Anfang

 

 

Das erste Papiergeld

 

 

In der Welt geschehen Wunderdinge, vornehmlich aber an dem Waldweiher im Lau.

Ruhte sich da einmal so ein Bäuerlein aus, auch aus Wehrden natürlich,

lag im Moos und stärkte die Glieder. Der Mann hatte sein Korn in die Mühle

nach Amelunxen gebracht, und da mußte ein faules Stündlein wohl über sein.

Wie er nun so auf dem  Rücken lag, den Kopf an einen Wurzknuppel gelehnt,

so kam eben ein Fräulein vom Wiltberg herab, der gegenüber von Godelheim liegt.

Die trat unserem Faulpelz freundlich unter die Augen, reichte ihm einen Eimer zu

und sprach: "Bring mir doch eben mal zwei Eimer Wasser oben auf die Stelle,

wo der Wiltberg seine Spitze hat. Es soll dein Schaden nicht sein. Willst du das

 wohl für mich tun?" "Nun, warum denn nicht", sagte der Mann und machte sich

gleich an die Arbeit. Zweimal schöpfte er aus dem Lauteich, und zweimal schleppte

er das Wasser auf den Berg. Da sagte die Jungfrau: "Dat het glücket. Nun komm

morgen zum gleichen Sonnenstand hier wieder herauf und bring mir den Blumenbusch

mit, den der Schäfer vom Osterberge an seinem Hut trägt. Aber bedenke wohl, er muß

ihn dir schenken und darf kein Streit darum sein."

Den folgenden Morgen suchte der Wasserträger den Schäfer Osterberge auf  und

erkannte auch gleich die bunten Blumen an dessen Schlapphut. Aber der Hirte mochte

den Strauß nicht missen, denn eine schöne Jungfrau hatte ihm diesen verehrt.

Da er aber die Kraft nicht kannte, die in den Kräutern verborgen war, so ließ er sich

 mit allerlei Versprechungen beschwatzen, und unser Bauer eilte mit seiner Beute

auf den Wildberg. Da hatte die Jungfrau ihn schon erwartet, winkte und wies auf

eine eiserne Tür, die war dem Manne seither nicht bekannt gewesen.

 "Nun halte den Blumenbusch vor das Schloß", befahl sie. Auf sprang da die Pforte

bei dieser leisen Berührung, und schon standen beide in einem unterirdischen

Kammergewölbe. Hier lagen die Schätze der ganzen Welt zuhauf, gleißten,

funkelten und lockten -es war rein zum Tollwerden. Aber inmitten dieser Pracht

hockte ein uraltes Männeken vor einem steinernen Tisch. Sein eisgrauer Bart

war wie Wurzelsträhnen durch jenen Felsen gewachsen. Der Bauer warf

seinen Strauß auf den Tisch neben den wuchernden Bart des Bergvaters

nieder und dachte nur: Rühr die Pfoten, das wird dir nicht wieder geboten.

Und gripsch-grapsch packte er in seine Taschen, was sie nur fassen konnten.

Da mahnte das Fräulein: "Vergiß das Beste nicht!" Er aber vermeinte nicht anders,

es wäre damit der große, goldene Kronleuchter gemeint und streckte die Hände

danach aus. Wie der Blitz schoß da eine Hand unter dem Tisch hervor und schlug ihn,

 klatsch, ins Gesicht. Und wieder mahnte die Jungfrau: "Vergiß das Beste nicht!'.

Die unterirdischen Schätze aber hatten ihm so den Kopf verdreht, daß er an

die Blumen nicht mehr dachte. Er kehrte sich zum Ausgang und schlüpfte

flink durch die Tür. Dröhnend schlug sie ins Schloß. Da lief er hastewaskannste

den Wiltberg hinunter. Aber schon im Laufen kamen die Taschen ihm so leicht vor.

Unten an der Aa besann er sich auf seinen Raub und fühlte schnell nach.

Da raschelte es in seinen Händen, und statt der Goldgeschmeide knisterte

 buntes Papier durch seine Finger. Es war aber auf jedem Schein ein Wappen

eingeprägt und daneben der Geldeswert. Weil der gute Mann nun des Lesens

nicht kundig war, so hielt er alles für eitlen Plunder und warf das "Unzeug" in die Aa.

Da kreiselte es nun lustig mit den blinkenden Wellen dahin, und die Forellen spielten

damit Haschen und Jagen. Wäre der Bauer bei Verstand gewesen, so hätte er damit

sein Glück begründen können. Denn es war hierzulande das erste Papiergeld.
Anfang

 

 

Der alte Fährmann

Eine Wildberg – Sage aus Wehrden an der Weser

 

 

Nachts ist´s in dem Dörchen Wehrden

Alles ruht in sanften Schlummer.

Süße Nacht,du bringst Erquickung

Wiegst im Schlaf so manchen Kummer

 

Drunter raucht die Feuerstelle,

gleich als feuerte sie in Träumen.

Träumend steht das alte Fährhaus

Unter alten Weidenbäumen.

 

Droben zieht der Mond als Hirte

Zwischen kleinen Wolkenschafen

Und der alte greise Fährmann

auf der Bank ist eingeschlafen.

 

Plötzlich durch die tiefe Stille

Tönt der klang von Rosshufen.

Aus der Ferne wilde Stimmen

Hört man durcheinander rufen.

 

Hilfhorn schmetternde Fanfare

Laut durch Berg und Tal erschallen

Hunde bellen,Speere klirren

Da erwacht der müde Alte.

 

Allen vor auf schwarzen Rosse

Wild und trotzig anzuschauen.

Naht der stolze Herr der Wildbergs

Mit dem buschig düstern Brauen.

 

Mit den dunklen Feueraugen

Schaut er auf den Fährmann nieder

Ha, wie zittern dem vor schrecken

Seine alten morschen Glieder.

 

„ Fahre“ herrscht er um hinüber,

mich , die Knappen und die Meute

heute Nacht in alten Solling

gibt es wieder gute Beute.

 

Heute in dem alten Solling

Will die ganze Nacht ich jagen.

Spute dich , ich muß dasein wir

He es beginnt zu tagen.

 

Und der alte löst die Kette

Zitternd fährt er sie hinüber,

macht für sich manch heimliche Kränzlein

wär der Spuk nur erst vorrüber.

 

Endlich ! Ach sind hinüber

Wieder Alte sich da freute !

Weit verhallend in die Berge

Hört er das Gekläff der Meute.

 

An dem Strand auf schwarzen Rosse

Hält des Wildbergs Herr alleine,

wirft dem alten zur Belohnung

in den Kahn ihm – Sand und Steine.

 

„Nimm“ spricht er „für deine Mühe

hast di reicher Lohn gefunden“.

Drückt den Rappen in die flanken

Seinen Sporn – und ist verschwunden.

 

Und der Alte jetzt alleine,

fühlt den Mut in sich erwachen,

kräftig durch die mächt´ge Stille

tönet jetzt sein höhnisch Lachen.

 

Dieses , mir gestrenger Ritter,

Ist wohl deine ganze Habe

Raubst die Ruh´dem alten Fährmann

Und gibst Steine mir als Gabe.

 

Sand und Steine schöne Gabe !

Sind das all´der Wildbergs Schätze ?

Traum , da bringen reich´re Löhnung

Mir die alte Fischerwitze.

 

Stößt sodann mit seinen Füßen

In den Strom der Ritters Gabe !

Kehrt in seine Hütte wieder,

dass am Schlummer er sich labe.

 

Ehe noch der frührote Schimmer

Übern Solling ist erglammen

Hörte er ein Ungwitter

Brausend durch die Lüfte kommen

 

Auf dem Morgennebel reitet

Heim der wilde Jägerreigen

Jagdhornrufe , Rossewiehern ,

und dann wieder tiefes schweigen.

 

Als im Wesertal zu Wehrden

Hell die Morgenglocken klangen

Ist der alte Fährmann wieder

Zu dem Boot hinabgegangen.

 

Zu erneuter Tagesarbeit

Will er reinigen den Nachen ;

Blieb vielleicht doch etwas liegen

Von der Ritters schönen Sachen !

 

Doch was sieht er – statt des Sandes

Statt der unscheinbaren Steine,

leuchtend auf dem Grund des Bootes

Goldig hell im Morgenschein !

 

Was da blieb vom sand und Steinen

Blitzt ihm goldig jetzt entgegen.

Hei wie bracht´ das nächt´ge Fahren

Ihm so reichen Goldsegen.

 

Doch das meiste von den Schätzen

Hat er in den Strom begraben ;

Achtlos hat er fortgeschleudert

Ja , er selbst , des Ritters Gaben.

 

„ O ich Tor“ so ruft der Alte,

stürzt zur Hütte , bringt die Kunde

seinen Kindern , seiner Enkeln

von dem Schatz im Wesergrunde.

 

Kosend , spielend zieh´n die Wellen

Stets sich drängend munter Knaben,

drunter auf dem Wesergrunde

liegt der Fährmann Schatz begraben.
Anfang

 

 

 

Der Fundator
 
Im Westen schwimmt ein falber Strich,
Der Abendstern entzündet sich
Grad' überm Sankt Georg am Tore;
Schwer haucht der Dunst vom nahen Moore.
Schlaftrunkne Schwäne kreisen sacht
Ums Eiland, wo die graue Wacht
Sich hebt aus Wasserbins' und Rohre.
 
Auf ihrem Dach die Fledermaus,
Sie schaukelt sich, sie breitet aus
Den Rippenschirm des Schwingenflosses,
Und, mit dem Schwirren des Geschosses,
Entlang den Teich, hinauf, hinab,
Dann klammert sie am Fensterstab,
Und blinzt in das Gemach des Schlosses.
 
Ein weit Gelaß, im Sammetstaat,
Wo einst der mächtige Prälat
Des Hauses Chronik hat geschrieben.
Frisch ist der Baldachin geblieben,
Der güldne Tisch, an dem er saß,
Und seine Seelenmesse las
Man heut in der Kapelle drüben.
 
Heut sind es grade hundert Jahr,
Seit er gelegen auf der Bahr'
Mit seinem Kreuz und Silberstabe.
Die ew'ge Lamp' an seinem Grabe
Hat heute hundert Jahr gebrannt.
In seinem Sessel an der Wand
Sitzt heut ein schlichter alter Knabe.
 
Des Hauses Diener, Sigismund,
Harrt hier der Herrschaft, Stund' auf Stund':
Schon kam die Nacht mit ihren Flören,
Oft glaubt die Kutsche er zu hören,
Ihr Quitschern in des Weges Kies,
Er richtet sich - doch nein - es blies
Der Abendwind nur durch die Föhren.
 
's ist eine Dämmernacht, genau
Gemacht für Alp und weiße Frau.
Dem Junkerlein ward es zu lange,
Dort schläft es hinterm Damasthange.
Die Chronik hält der Alte noch,
Und blättert fort im Finstern, doch
Im Ohre summt es gleich Gesange:
 
»So hab' ich dieses Schloß erbaut,
Ihm mein Erworbnes anvertraut,
Zu des Geschlechtes Nutz und Walten;
Ein neuer Stamm sprießt aus dem alten,
Gott segne ihn! Gott mach' ihn groß! -«
Der Alte horcht, das Buch vom Schoß
Schiebt sacht er in der Lade Spalten.
 
Nein - durch das Fenster ein und aus
Zog schrillend nur die Fledermaus;
Nun schießt sie fort. - Der Alte lehnet
Am Simse. Wie der Teich sich dehnet
Ums Eiland, wo der Warte Rund,
Sich tief schattiert im matten Grund.
Das Röhricht knirrt, die Unke stöhnet.
 
Dort, denkt der Greis, dort hat gewacht
Der alte Kirchenfürst, wenn Nacht
Sich auf den Weiher hat ergossen.
Don hat den Reiher er geschossen,
Und zugeschaut des Schlosses Bau,
Sein weiß Habit, sein Auge grau,
Lugt' drüben an den Fenstersprossen.
 
Wie scheint der Mond so kümmerlich!
- Er birgt wohl hinterm Tanne sich -
Schaut nicht der Turm wie 'ne Laterne,
Verhauchend, dunstig, aus der Ferne!
Wie steigt der blaue Duft im Rohr
Und rollt sich am Gesims empor!
Wie seltsam blinken heut die Sterne!
 
Doch ha! - er blinzt, er spannt das Aug',
Denn dicht und dichter schwillt der Rauch,
Als ob ein Docht sich langsam fache,
Entzündet sich im Turmgemache
Wie Mondenschein ein graues Licht,
Und dennoch - dennoch - las er nicht,
Nicht Neumond heut im Almanache? -
 
Was ist das? - deutlich, nur getrübt
Vom Dunst, der hin und wieder schiebt,
Ein Tisch, ein Licht, in Turmes Mitten,
Und nun - nun kömmt es hergeschritten,
Ganz wie ein Schatten an der Wand,
Es hebt den Arm, es regt die Hand, -
Nun ist es an den Tisch geglitten.
 
Und nieder sitzt es, langsam, steif, -
Was in der Hand? - ein weißer Streif! -
Nun zieht es Etwas aus der Scheiden
Und fingert mit den Händen beiden,
Ein Ding, - ein Stäbchen ungefähr, -
Dran fährt es langsam hin und her,
Es scheint die Feder anzuschneiden.
 
Der Diener blinzt und blinzt hinaus:
Der Schemen schwankt und bleichet aus,
Noch sieht er es die Feder tunken,
Da drüber gleitet es wie Funken,
Und in demselbigen Moment
Ist Alles in das Element
Der spurlos finstern Nacht versunken.
 
Noch immer steht der Sigismund,
Noch starrt er nach der Warte Rund,
Ihn dünkt, des Weihers Flächen rauschen,
Weit beugt er übern Sims, zu lauschen;
Ein Ruder! - nein, die Schwäne ziehn!
Grad' hört er längs dem Ufergrün
Sie sacht ihr tiefes Schnarchen tauschen.
 
Er schließt das Fenster. - »Licht, o Licht!« -
Doch mag das Junkerlein er nicht
So plötzlich aus dem Schlafe fassen,
Noch minder es im Saale lassen.
Sacht schiebt er sich dem Sessel ein
Zieht sein korallnes Nösterlein,
- Was klingelt drüben an den Tassen? -
 
Nein - ein Fliege schnurrt im Glas!
Dem Alten wird die Stirne naß;
Die Möbeln stehn wie Totenmale,
Es regt und rüttelt sich im Saale,
Allmählich weicht die Tür zurück,
Und in demselben Augenblick
Schlägt an die Dogge im Portale.
 
Der Alte drückt sich dicht zuhauf,
Er lauscht mit Doppelsinnen auf.
- Ja! am Parkett ein leises Streichen,
Wie Wiesel nach der Stiege schleichen -
Und immer härter, Tapp an Tapp,
Wie mit Sandalen, auf und ab,
Es kimmt - es naht - er hört es keuchen; -
 
Sein Sessel knackt! - ihm schwimmt das Hirn -
Ein Odem, dicht an seiner Stirn!
Da fährt er auf und wild zurücke,
Errafft das Kind mit blindem Glücke
Und stürzt den Korridor entlang.
O, Gott sei Dank! ein Licht im Gang,
Die Kutsche rasselt auf die Brücke!


Anfang  

 


Die Erzählungen Das Hünenspiel zwischen Brunsberg und Wiltberg,

     die weiße Frau und das erste Papiergeld sind Märchen.

     Sie wurden von Herrn J. G. Th Graesse erzählt und nieder geschrieben.

     Die erste Veröffentlichung steht im Sagenbuch des preussischen Staates 1868.

             

     Der alte Fährmann ist ebenfalls ein Märchen.

     Wer diese Märchen veröffentlicht hat ist bis heute unbekannt.

             

     Der Fundator ist eine Ballade von Anette v. Droste Hülshoff,

     die einige Zeit in Wehrden verweilte.

             

     Der Schüdderump von Wilhelm Raabe

     Ist eine Reiseerzählung über ein Leichenkarren den er zu sehen bekam.

     Einiges aus der Erzählung deutet darauf hin, dass der Schüdderump zu Wehrden gehörte,

     da der Dichter oftmals durch diesen Ort kam


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